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Warum es Durchblick gibt

Mein Vater ist gestorben, als ich 26 war. Völlig unerwartet.

Meine Eltern waren geschieden, ich bin Einzelkind, mein Vater war auch Einzelkind, meine Großmutter zu diesem Zeitpunkt schon dement. Es war also niemand sonst da. Alles, was jetzt zu regeln war, war meine Sache. Ich war mitten im Studium und musste nebenbei das Unternehmen meines Vaters abwickeln.

Weil mit seinem Tod niemand gerechnet hatte, gab es nichts: keine Vollmachten, keine Vorsorge, keine geordneten Unterlagen. Nur Fristen, von denen ich vorher nie gehört hatte.

Was ich in den Monaten danach gelernt habe:

Jede Bank will ihre eigene Vollmacht, auf ihrem eigenen Formular. Manche akzeptieren nicht einmal eine notariell beglaubigte.

Das Nachlassgericht stellt den Erbschein nicht einfach aus, sondern wartet erst einmal ab, ob sich jemand anderes meldet und Ansprüche anmeldet. Es gibt keine Stelle in Deutschland, an der zuverlässig steht, wer zu wem gehört.

Und: Ein Unternehmen zu schließen war am Ende einfacher, als den Tod eines Menschen zu verwalten.

Irgendwann hat mein Körper angefangen, sich zu wehren — Hautausschläge, ständige Infekte, am Ende ein Arztbesuch. Mein Arbeitgeber hat mir zusätzlich Zeit gegeben. Freunde und Kolleginnen haben geholfen, wo sie konnten. Von Banken und Behörden kam diese Flexibilität nicht.

Sechs Monate hat es gedauert, bis das Gröbste erledigt war. Sechs Monate, in denen ich eigentlich hätte trauern sollen.

Dabei hätte ich nichts Kompliziertes gebraucht. Ich wollte keine Auswahl an Optionen und nichts abwägen. Ich wollte, dass mir jemand sagt: Das hier ist als Nächstes dran, so geht es, und bis dann muss es raus. In so einer Situation will man keine Entscheidungen treffen. Man will, dass einem jemand den Weg zeigt.

Dafür gibt es Durchblick.

Durchblick ist keine Trauerbegleitung. Dafür bin ich nicht ausgebildet, und ich maße mir nicht an, jemandem beim Trauern zu helfen. Aber der praktische Teil — die Briefe, die Fristen, die Reihenfolge, die 23 Stellen, die informiert werden müssen — der lässt sich lösen. Das muss niemand mehr so machen wie ich damals.